Disney Film Merida

Am 2. August ist es soweit: das kleine rothaarige Mädchen erobert die deutschen Kinoleinwände. Merida - Legende der Highlands heißt der neue Animationsfilm aus dem Hause Disney-Pixar, der in Amerika bereits an der Spitze der Filmhitlisten steht. Die Geschichte spielt im mittelalterlichen Schottland, das in zauberhaften, eindrucksvollen und oft recht mystischen Bildern widergegeben wird. Mit majestätischen Berg- und Seenlandschaften, trutzigen Burgen und ausdrucksstarken Lichtstimmungen. Auch das Innere des Königsschlosses von König Fergus, Königin Elinor, Prinzessin Merida und ihren drei Brüdern, die große Halle wie die labyrinthartigen Gänge, Flure und Treppen, werden höchst präzise und authentisch dargestellt. Das Ganze begleitet von einer sehr ausgewogenen musikalischen Untermalung, weitestgehend ohne klischeehafte Dudelsackklänge.

Die widerspenstige Königstochter Merida, eine Mischung aus Ronja Räubertochter und Pippi Langstrumpf, mit wallendem roten Lockenkopf stellt sich in pubertärem (Über-) Eifer eines Teenagers gegen den Wunsch ihrer Mutter, sie zu einer feinen Dame zu erziehen und den Traditionen zu unterwerfen. Damit richtet das Mädchen ein ordentliches Durcheinander im schottischen Reich an, bringt Clans gegeneinander auf und fordert das eigene wie das Schicksal der Familie heraus. Spektakulär inszeniert ist der Showdown im Morgengrauen um den imposanten Steinkreis, der endet, wie es sich für gestandene Hollywoodproduktionen geziemt. Die Highland Games zu Beginn des Films passen thematisch hervorragend zum diesjährigen sportlichen Großereignis in und um die britische Hauptstadt London, wenngleich das Stemmen der Baumstämme noch nicht als olympische Disziplin zugelassen ist.

Neben den tiefgründigeren Inhalten eines Mutter-Tochter-Konfliktes, der vermutlich in jeder Familie so oder ähnlich abläuft, treffen die Moral und das Streben nach Freiheit des Herzens und der Gedanken, das Streben nach Unabhängigkeit in das aktuelle Befinden der schottischen Gesellschaft, die sich verstärkt mit dem Wunsch nach Eigenständigkeit auseinandersetzt. Aber auch die Initiative der schottischen Fremdenverkehrswirtschaft, die sich sehr stark für den Film engagiert hat, dürfte ihre Früchte tragen. Speziell das begeisterungsfähige, amerikanische Publikum bekommt ein, wenn auch etwas verklärtes und mystifiziertes Bild des Landes, das sicherlich einen Besuch wert sein könnte. Der National Trust for Scotland sieht ebenfalls eine Chance, mittels dieses Films auf das große kulturelle Erbe Schottlands hinzuweisen und hat dafür sogar eine eigene Webseite freigeschaltet.

Rubrik
Kunst
Artikel Info
Autor:  Udo Haafke
Datum: 02.Juli 2012