Historischer Bahnbetrieb

Das Herz eines jeden Technik-Fans schlägt höher beim Anblick qualmender und geräuschvoll stampfender Dampflokomotiven, die mit ratternden Waggons durch kulissenhafte Landschaften schnaufen. Insbesondere die Verfilmungen der Harry Potter Romane hinterließen mit den stimmungsschwangeren Szenen des Hogwarts Express am ikonischen Glenfinnan Viadukt in den westlichen Highlands nachhaltig bleibende Eindrücke.

Die Eisenbahn war und ist ein wichtiger Teil der industriellen Revolution, sie symbolisierte im letzten Jahrhundert Fortschritt und Zukunftsdenken. Heute dient sie als Massentransportmittel und - häufig - zuverlässiger Beförderer vornehmlich von Menschen.

Wurde das damals innovative Dampfross in seinen Gründerjahren respektvoll gefürchtet, bildet es nun das nostalgische, gleichwohl immer noch beeindruckende Rückgrat vieler Technik-Museen und zieht sogar hin und wieder historische Reisezüge durchs Land. Dabei gerät komplett in Vergessenheit, dass ohne eine ganze Reihe technischer unabdingbarer Hilfsmittel ein zuverlässiger Schienenverkehr gar nicht möglich gewesen wäre.

Sinnbildlicher und vielleicht markantester Ausdruck dafür ist das Stellwerk, von dem aus die Bewegungen auf den Schienen koordiniert und geregelt werden. Doch die funktionalen, manchmal höchst eleganten Gebäude und Türme am Gleisbett, die "signal boxes", sind vom Aussterben bedroht. Modernste digitale Anwendungen machen sie schlicht überflüssig.

Historic Scotland macht aus diesem Grunde in Zusammenarbeit mit Network Rail eine Online-Publikation verfügbar, die sich mit dem Stellwerk und seiner Bedeutung für die schottische Bahngeschichte beschäftigt. Bilder und Informationen über klassische Schienenstränge und die so wichtigen Bauwerke wurden zusammengetragen und anschaulich aufbereitet.

Über 74 Stellwerke verfügt das Bahnnetz aktuell noch, einige davon im schönsten viktorianischen Baustil sind schon seit beinahe 150 Jahren in Betrieb, stellen Signale und Weichen, ordnen Knotenpunkte. Doch um 2040 werden es lediglich nur noch zwei hypermoderne Signalzentren sein, die den kompletten Bahnbetrieb überwachen und regeln und damit eine Ära unwiederbringlich beenden.

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Artikel Info
Autor:  Udo Haafke
Datum: 17.Oktober 2014