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Brad Pitt und Peter Capaldi

Der 23. Mai 2014 war für die Freunde repräsentativer Architektur ein schwarzer Tag. Zur Mittagszeit brach in der Glasgow School of Art, dem ikonischen Meisterwerk des schottischen Architekten Charles Rennie Mackintosh, das erst kürzlich zum bedeutendsten Gebäude der letzten 150 Jahre in Großbritannien gekürt worden war, ein verheerendes Feuer aus. Zerstört wurden große Teile des Westflügels, darunter die komplette Bibliothek und der Hen Run sowie viele, dort im Entstehen befindliche Abschlussarbeiten der Studenten. Offiziellen Aussagen zu Folge sollen etwa zehn Prozent des Baubestandes vernichtet sein.

Wenn man jedoch in diesen Tagen das derzeit komplett abgesperrte Gebäude besucht und die schwarzen, unheilvoll gähnenden Fensterausschnitte, das fehlende Dach und die geborstenen Scheiben betrachtet, bekommt man den Eindruck, das vielleicht noch viel mehr zerstört sein muss. Der Anblick schmerzt, insbesondere dann, wenn man das Gebäude schon einmal von innen gesehen hat und nun das Schlimmste befürchtet.

Die Kosten zur Wiederherstellung der legendären Kunsthochschule belaufen sich nach Schätzungen auf etwa GBP 35 Mio. David Cameron hat bereits staatliche Unterstützung zugesagt, ein Spendenfonds wurde eingerichtet und Prominente stellen sich in den Dienst der Sache, wie der bekennende Mackintosh-Fan Brad Pitt und der Doctor Who-Schauspieler Peter Capaldi. Gleichwohl wird es wohl viele Jahre dauern, bis es wieder Führungen durch die School of Art gibt. Der Museumsshop zog improvisiert und stark verkleinert in das gegenüberliegende, brandneue Reid-Building.

Bis zum 4. Januar 2015 zeigt nun die Hunterian Art Gallery, das älteste Museum der Stadt, eine Ausstellung mit Werken, Plänen und Zeichnungen aus dem Schaffen Mackintoshs, die überwiegend noch nie zuvor gesehen wurden. Sie sind Ergebnis eines vierjährigen intensiven Forschungs- und Studienprojektes der Universität Glasgow. Diese Studie brachte etwas mehr Licht in die künstlerische Entwicklung Mackintoshs und die Entstehung seines so prägnanten Stils. Gleichzeitig ist seit 18. Juli eine neue Webseite online, die hochinteressante Einblicke in die Forschungsergebnisse gibt, Standorte von Gebäuden, an denen Mackintosh kreativ beteiligt war, interaktiv lokalisiert und mehr als 1.200 Zeichnungen präsentiert.

Rubrik
Kunst
Artikel Info
Autor:  Udo Haafke
Datum: 20.August 2014