Wölfe in den Highlands

Große Teile der Highlands waren in früheren Zeiten dicht bewaldet. Diese Waldgebiete wurden aus den unterschiedlichsten Gründen gerodet und zurück blieb eine Landschaft, deren spröde Kargheit den Reisenden heute fasziniert. Aufforstungen fanden nur in geringem Umfang statt. Gleichzeitig veränderten sich Flora und Fauna. Der Brite Paul Lister, ironischerweise Sohn eines vermögenden Fabrikanten für hölzerne Billigmöbel, erstand im Jahr 2003 das einsame Alladale Wilderness Reserve, ein über 90 km² großes Stück abgeschiedener Highland-Landschaft etwa eine Autostunde nördlich von Inverness.

Listers Intention ist es, zumindest sein eigenes Land wieder aufzuforsten, ihm ein Aussehen zurückzugeben, wie es eigentlich der Geschichte richtigerweise entspricht. Dazu pflanzte er schon über 100.000 Bäume, die sich ganz allmählich altes Terrain zurückerobern. Doch er geht noch weiter, denn er möchte darüber hinaus auch die ursprüngliche Tierwelt wieder ansiedeln. Wölfe, Luchse, Bären - sie alle sind längst ausgerottet oder eventuell nur noch in umzäunten Wildparks zu sehen. Sie alle sollen wiederkommen. Doch dieses Ansinnen stößt im Umland nicht unbedingt auf ungeteilte Begeisterung, denn jene Wildtiere dürften sich zuweilen auch an einem Schaf vergreifen. Wanderer fürchten um ihr Wohlbefinden und möchten überdies keine Zäune sehen, weil diese Tiere prinzipiell doch eingepfercht sein müssten.

Die alte und problematische Kontroverse zwischen Mensch und Natur wird durch Listers Initiative wiederbelebt, dabei wollte er doch eigentlich nur die Highlands wiederbeleben. Natürlich geht er dabei nicht völlig uneigennützig vor. Auf seinem Areal stehen zwei luxuriöse, mietbare Cottages für Naturfreunde, für Jäger, Angler oder Reiter.

Rubrik
Natur
Artikel Info
Autor:  Udo Haafke
Datum: 21.Dezember 2011