Tidenhub im Loch Ness

Ein besonders wundersames Rätsel am Loch Ness brachte die Wissenschaftler um den Schlaf und ins Grübeln. Und dabei ging es einmal nicht um das noch immer vergeblich gesuchte und nicht gesichtete, drachenähnliche Seeungeheuer, sondern nur um dessen Tummelplatz in den Highlands. Denn in schöner Regelmäßigkeit von jeweils 32 Minuten lief und läuft eine Seiche, so der Fachbegriff für kleine Wellenbewegungen, sacht an die Ufer des Sees. Zudem ändert sich alle zwei Tage der Pegelstand, und auch ein Tidenhub im Gleichklang zu dem der Nordsee ist verspürbar. Dies ist umso bemerkenswerter, weil das Nordseewasser den im Landesinneren liegenden See gar nicht erreicht, gleichwohl eine indirekte Verbindung durch den Caledonian Canal besteht.

Die jetzt von Geoforschern veröffentlichte Erklärung dieses Phänomens entbehrt natürlich jeglicher übernatürlicher Einflüsse. Sie begründet sich vielmehr auf der geophysikalischen Tatsache, dass der gewaltige Druck, den Ebbe und Flut auf Land und Meeresboden ausüben, seinerseits auch das schottische Festland in dezente Schwingungen versetzt. Damit schwingt denn auch der Grund des Loch Ness, der wie ein Modellschiff in der Badewanne hin- und herschaukelt. Höchst sensible Drucksensoren am Boden des Lochs ergaben dies bei ihren Messungen. Erstmalig konnte damit diese Naturerscheinung in Europa nachgewiesen werden. Logischerweise müsste natürlich auch bei den anderen Seen des Landes das gleiche Prinzip des "Ocean Loading", so der wissenschaftliche Begriff, gelten, was jeweils noch zu klären wäre.

Rubrik
Natur
Artikel Info
Autor:  Udo Haafke
Datum: 23.Januar 2012