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Speyside Cooperage – Handwerk mit großer Tradition

Für den Reifeprozess von Whisky ist das Fass von entscheidender Bedeutung. Seine Beschaffenheit und seine Historie bestimmen maßgeblich Farbe, Aroma und Geschmack des >schottischen Goldes<. Nur Eichenholz, von den gut 50 Arten auf der Welt jedoch nur einige, eignet sich für die Herstellung von Fässern. Es ist undurchlässig für Flüssigkeiten, erlaubt dem Inhalt jedoch noch zu atmen. Die Engel könnten ein Lied davon singen, so sehr mögen sie gerade diese Eigenschaft des Eichenholzes.

Schon vor über 5000 Jahren stellte man Fässer zur Lagerung und Aufbewahrung von Flüssigkeiten her, ein Handwerk, das als Küferei oder Fassbinderei bezeichnet wird. Diese uralte Technik findet in ihren Grundzügen noch heute Verwendung, wie man leicht von der Besuchergalerie in der Speyside Cooperage an der Dufftown Road oberhalb von Craigellachie erkennen kann. Vieles in der geschäftigen Werkstatt wirkt von hier oben antiquiert und etwas martialisch, angesichts von 3D-Druckern und einer durchdigitalisierten Welt geradezu anachronistisch. Doch ohne diese 1947 gegründete Manufaktur wäre die Genusswelt rund um den Whisky um eine bedeutende Facette ärmer. Damals übrigens begann man mit der Arbeit in einem ausrangierten Flugzeughangar, der vom Flughafen Aberdeen in die Speyside transportiert wurde.

Dabei ist es nicht so, dass hier neue Fässer hergestellt werden, sondern man hat es hier mit einer besonders ausgeklügelten Form des Recyclings zu tun. Gebrauchte Fässer werden sorgsam wiederaufbereitet, Schäden beseitigt, gebrochenes Holz wird ausgetauscht und das Fass zur weiteren Nutzung wieder fit gemacht. So kann das Leben eines Fasses bis zu 60 Jahre dauern. Jedes Jahr gelangen auf diese Weise gut 150.000 Eichenfässer erneut in den Umlauf. Hinter der Werkstatt lagern große Stapel an Fässern aus dem ganzen Land, die auf ihre Weiterverarbeitung warten.

Die Speyside Cooperage ist die einzige Küferei Großbritanniens, die ein Besucherzentrum besitzt und damit der Öffentlichkeit Einblick in die Herstellung ermöglicht. Bei einer Führung (»Classic Tour«) bekommt man zunächst in einem 4D-Kino den Arbeitsablauf hautnah vor Augen geführt und empfindet darüber hinaus die Gerüche und die feurige und rauchgeschwängerte Atmosphäre der Werkstätte. Anschließend kann man diese von oben besichtigen und sich auch selbst im Fassbau versuchen. Was spielerisch leicht erscheint stellt sich beim Eigenversuch als äußerst komplexe Tätigkeit heraus. 90 Minuten dauert eine VIP-Tour, die von einem erfahrenen Küfer durchgeführt wird und ganz nah an den Arbeitsprozess kommt.

Rubrik
Attraktionen
Artikel Info
Autor:  Wilfried Klöpping
Datum: 25.Juni 2018