People make Glasgow

Glasgow erfindet sich neu. Ein Phänomen, das sich in den letzten Jahrzehnten gleich mehrfach wiederholt hat. In den 70er Jahren entdeckte man Charles Rennie Mackintosh aufs Neue und begann einen noch immer andauernden Kult zu pflegen, in den 80er Jahren richtete sich die Stadt auf das europäische Kulturhauptstadtjahr 1990 ein. Und zur Jahrtausendwende stellte sich Glasgow als "Scotland with Style" vor. Ein gelungener, ein passender Slogan. Als aufstrebende kulturelle Metropole, als kosmopolitische, lebendige Stadt zum Einkaufen, Shoppen und Flanieren. Vergessen waren die düsteren Bilder eines vermeintlich grauen Industriemolochs, verschwunden die mächtigen Kräne der Werften, Sinnbilder einstiger Wirtschaftskraft, aus den Gedanken verdrängt die schäbigen Hochhaussiedlungen der Vorstädte.

Nun, im Vorfeld des nächstjährigen Großereignisses der Commonwealth Games, stellt die Stadt ihre neue Marke vor. Das "Branding", wie es im modernen Neudeutsch heißt, lautet "People Make Glasgow". Das ist gut gemeint, denn die Menschen, Glaswegians und Freunde der Stadt in der ganzen Welt, durften ihre Meinung per Internet kundtun und Empfehlungen für den möglichen Inhalt geben. Als Konsens entstand ein Werbeslogan, der die Menschen in den Vordergrund stellt. Diese sind in Glasgow vielleicht etwas rauer, aber dafür umso herzlicher. Beim Einkaufen, ob in der edlen Boutique oder an der Supermarktkasse, begegnet dem Kunden eine ungekünstelte, offene Freundlichkeit. Ohne Gespräch, ohne Unterhaltung ist die simple Prozedur des Produkterwerbs unvorstellbar.

So gesehen trifft People Make Glasgow den Kern der Sache. Authentizität, Kreativität, Smartheit, Heimatverbundenheit, Dynamik – all jene Kriterien, die von den Internetnutzern bevorzugt in die Entscheidungsfindung geworfen wurden, tauchen darin wieder auf. Dementsprechend stolz sind die Stadtväter auf ihren neuen, einprägsamen Slogan, der von den Glasgowern für die Glasgower kreiert wurde. Sie glauben an einen großen Wurf von internationaler Dimension. Doch fehlt es nicht an Kritikern, die dem Spruch Arroganz unterstellen. Und an Zeitgenossen, welche die in schlichten roten, geometrischen Lettern gehaltene Marke sogleich schonungslos der Verballhornung preisgeben, dafür braucht nur das Verb durch ein anderes ersetzt werden. Das lässt sich positiv wie negativ anwenden.

Im aktuellen Stadtbild der größten Stadt Schottlands jedenfalls dominiert nach wie vor Scotland with Style, es dauert wohl noch etwas bis People Make Glasgow dort Präsenz zeigen kann. Und der Bauboom ist ungebrochen, veraltete, ungenutzte Bausubstanz weicht neuer, moderner Architektur. Unterschiedliche Kulturveranstaltungen liegen voll im Trend, ständig wird Innovatives präsentiert. In einer Schnelligkeit und mit einer Intensität, die verblüfft. Der Besuch der Stadt lohnt alle Mal. Die deutsche Lufthansa hat dies beizeiten erkannt und die bereits gut frequentierte Verbindung an den Clyde von Düsseldorf aus eingerichtet. Ein verlängertes Wochenende reicht für einen guten Eindruck und eine erste subjektive Einschätzung, welcher Slogan denn nun (besser) passt.

Rubrik
TopScot
Artikel Info
Autor:  Udo Haafke
Datum: 05.September 2013