Olympisches Fieber in Glasgow

"The best Games ever", "Glasgow and its people have been pure dead brilliant" - die Lobeshymnen auf das wohl größte Sportereignis der Neuzeit auf schottischem Boden nahmen kein Ende. Obwohl Schlussfeiern gemeinhin weniger furios ausfallen als ihr Pendant zur Eröffnung und zudem immer mit einer gewissen Melancholie einhergehen, war die Party im Hampden Park wahrlich kein Grund zur Traurigkeit, wenngleich die größte Stadt Schottlands nun in ein flüchtiges Feiervakuum geraten dürfte.

Der Fokus des gut 100 Minuten langen Festes lag zunächst auf einem kurzen Rückblick über die Spiele, war jedoch deutlich ausgerichtet auf die kommende Commonwealth Games Veranstaltung in vier Jahren an der australischen Gold Coast. Diese stellte sich wort-, bild- und stimmgewaltig vor und wurde unterstützt durch einen längeren Auftritt der australischen Pop-Ikone Kylie Minogue. Zum Ende der Show intonierte die Folklegende Dougie MacLean zunächst seine hymnenhafte Ballade "Caledonia", bevor alle Künstler gemeinsam auf der Bühne den Burns Klassiker "Auld Lang Syne" anstimmten. Voller Inbrunst nahm das gesamte Stadion, Zuschauer wie Sportler, den Text auf und sang, Hand in Hand, noch weiter als bereits das finale Feuerwerk den Himmel erleuchtete.

Für Glasgow und für Schottland überhaupt bleiben eine ganze Reihe an Superlativen, die Stadt und Land optimistisch und positiv für die Zukunft verbuchen dürfen. Die Gastfreundschaft, die Offenheit, die unkomplizierte Fröhlichkeit und der lockere, nicht selten selbstironische Umgang der Glaswegians mit den Athleten, den Sportlern und den zahlreichen Besuchern aus aller Welt hält sich wohl am längsten in der Erinnerung aller. Das Motto

'Dabei sein ist alles' bekam gerade dadurch einen ganz besonderen Stellenwert. Die Aktiven des Gastgebers setzten, getragen von einer sensationellen Unterstützung des heimischen Publikums, neue Maßstäbe. Sie errangen insgesamt 53 Medaillen, 20 mehr als ihr bis dato bestes Ergebnis, und rangierten in der Länderwertung auf dem vierten Platz. Von 19 Mal Gold hatte zuvor kaum jemand zu träumen gewagt. Auch das Konzept der Spiele, die sportlichen Wettkämpfe der Behinderten in den normalen Programmablauf zu integrieren, erwies sich als goldrichtig.

Einer der Höhepunkte war zweifellos der Auftritt des jamaikanischen Sprint-Stars Usain Bolt, der es mit seiner lockeren Art schaffte, das komplette Stadion während seiner kurzen Erscheinung zum Vor- und Endlauf der 4x100 Meter Staffel in Ekstase zu versetzen. Nach dem Goldlauf seines Teams blieb er noch über eine Stunde in der Arena, gab Autogramme, trieb seine Späße mit den Zuschauern, machte Fotos und gewandete sich in Tartan. Und das obwohl ihm das leider manchmal etwas ungemütliche Wetter durchaus missfallen hatte. Gemeinsam mit dem Maskottchen Clyde hatte Bolt schon im Vorfeld seine berühmte Siegergeste des Bolt-Blitzes gezeigt.

Clyde, die lebendig gewordene Distel, erfunden und gestaltet von einem 12-jährigen Mädchen aus Cumbernauld entwickelte sich zum heimlichen Star der Commonwealth Games. Jeder mag ihn, Scharen von Menschen, vor allem Kinder, pilgerten entlang des Clyde-Trails, um alle grünen Figuren mit Trikot, Sportschuhen und violetter Blütenmütze im Stadtgebiet zu finden. Sein plüschiges Ebenbild war der Renner in den Glasgower Souvenirshops und restlos ausverkauft, noch bevor die Spiele zu Ende gingen. Sehr zur Freude von Internet-Auktionshäusern, in denen die Stoff-Clydes nun schon hoch gehandelt werden.

Rubrik
TopScot, Sport
Artikel Info
Autor:  Udo Haafke
Datum: 08.August 2014