Martin Rosswog - Milton auf South Uist

Ein Bildband über die Äußeren Hebriden? Da produziert das Kopfkino sofort eine plakative Bilderflut aus malerischen Black Houses, prähistorischen Monumenten, karibisch anmutenden Strandszenarien unter dräuenden Wolkenformationen und romantisch verklärten Tweedweberinnen. All dies sucht man im fotografischen Werk von Martin Rosswog – Milton, South Uist, erschienen im Schirmer & Mosel Verlag – vergebens.

Der Meisterschüler von Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie nähert sich dem Thema nicht aus touristischer Sicht. Sein Interesse gilt den Menschen, ihrer einsamen Welt und ihren Lebensumständen in einer der abgelegensten Regionen Europas.

Mehrmals besuchte der Fotograf im Zeitraum zwischen 2000 und 2013 das Dörfchen Milton in South Uist und fertigte mit Groß- und Mittelformatkameras eine Art Sozialstudie an. Es entstanden unaufgeregt sachliche Portraits von Menschen in ihrem Umfeld im Stile eines August Sander. Die Bilder aus den Häusern sind fast zufällig wirkende Momentaufnahmen, die ohne technischen Firlefanz auskommen, scheinbar ohne Arrangements oder irgendwelche künstlich aufgesetzten Attitüden.

Erzählende Stillleben voll innigen, teils skurrilen Detailreichtums, die eine schlichte, doch ausgeprägte Individualität darstellen, gleichzeitig aber auch eine bedrückende Leere. Und immer tickt eine Uhr auf dem Kaminsims oder an der Wand. Sinnbild für die Vergänglichkeit des Augenblicks.

Die Landschaften und Außenaufnahmen, manche in klassischem Schwarz-Weiß, spiegeln die schier übermächtige Weite der Landschaft in hellem, klaren Licht wider, wobei Rosswog niemals Einzelheiten außer Acht lässt. Denn diese haben immer mit den Menschen zu tun, die in der abgeschiedenen Beschaulichkeit ihren Alltag verbringen. Martin Rosswog bewegt sich mit dieser konzeptionell engen und streng ortsgebundenen Herangehensweise auf den Spuren seines amerikanischen Kollegen Paul Strand, der ein halbes Jahrhundert zuvor drei Monate auf South Uist zubrachte.

Für sein 1962 erschienenes Buch Tir a´Mhurain (Land der Gräser) portraitierte er den Farmer D.J. MacLean, der auch in Rosswogs Bilderzyklus eine Rolle spielt. Die begleitenden Textbeiträge (Deutsch und Englisch) beleuchten sowohl die Arbeitsweise von Martin Rosswog, als auch zusätzliche Informationen zu den abgebildeten Personen und Gebäuden und allgemein zur Geschichte South Uists. Ein ungewöhnlich intensiver Bildband.

Während des gesamten Monats Januar verlost der SchottlandBerater insgesamt 5 Exemplare dieses Buches von Martin Rosswog. Teilnehmen ist ganz einfach. Bitte schicken Sie eine Email an den SchottlandBerater mit dem Stichwort 'Milton - South Uist' unter Angabe Ihrer vollständigen postalischen Anschrift - für den Fall dass Sie gewinnen!
Der Einsendeschluss ist der 31. Januar. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Für Ihre Teilnahme verwenden Sie am besten diese Kontakt-Funktion.

Martin Rosswog, Milton, South Uist, Scotland - Mit Texten von Claudia Schubert und Fr Michael J. MacDonald, 156 Seiten, 77 Tafeln in Farbe und Duotone, 10 Abbildungen, ISBN 978-3-8296-0711-7, EUR 39.80

Rubrik
Schottisches
Artikel Info
Autor:  Udo Haafke
Datum: 09.Dezember 2015