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Dirleton Castle - East Lothian

Dirleton - ein kleines beinahe verschlafenes Dorf etwa 5 Kilometer westlich von North Berwick und ca. 30 Kilometer östlich von Edinburgh gelegen. Heute sieht man dem Ort seine Geschichte nicht mehr an. Inmitten dieser Idylle - eine mächtige Schlossruine. Parken kann man bequem auf einem kostenlosen Parkplatz, gleich neben der Ruine. Der Eintritt für die von Historic Scotland betreuten Sehenswürdigkeit wird in einem kleinen Shop entrichtet, der gleichzeitig zum Stöbern einlädt, denn hier gibt es Bücher, Postkarten und weitere Andenken. Nachdem man den Shop und den Kassenbereich passiert hat, läuft man zunächst durch den liebevoll angelegten Garten, der auch im >Register schottischer Landschaftsgärten< aufgeführt ist. Zu Recht! Der alte Baumbestand ist immens, dort stehen sie, die alten Veteranen aus längst vergangenen Zeiten. Angelegt wurde dieser im 16. Jahrhundert. Die Mauer, die den Garten und das Schloss selbst umrandet, stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Wenig später erreicht man den »Doocot«, ein Taubenschlag artiges Gebäude, ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert. Hier wurden bis zu 2000 Tauben gehalten, die als Fleischlieferant dienten. Die Tiere versorgten sich selbst, sie konnten sich frei bewegen und brüteten auch hier. Zur rechten Hand erhebt sich nun die stolze Ruine des Schlosses, umsäumt von den alten Bäumen, die sich sanft im Wind wiegen. Über eine breite Brücke gelangt man hier durch den Haupteingang in die Ruine. Man fühlt sich selbst gleich etwas königlich, man schreitet hinein, alles ist sehr offen und natürlich. Im Innenhof laden Bänke und die Rasenfläche zum Verweilen ein. Ringsherum besteht die Möglichkeit, hier und dort in die Ruine zu gehen. So kann man die ehemalige Küche mit den Brotöfen, einige Zimmer, Aborte sowie den Burgwächterbereich bestaunen. Alles ist liebevoll instand gehalten, ohne den Charme zu zerstören.

So friedlich es heutzutage ist, die Vergangenheit war jedoch äußerst blutig mit allerlei Turbulenzen. Die Geschichte des Schlosses beginnt im 13. Jahrhundert, genauer gesagt um 1240. Ritter John de Vaux, ein Anglo–Normanne begann mit dem Bau. Zuerst war das ursprüngliche heutige Schloss Dirleton ein »castellum«, welches größtenteils aus Holz bestand. Die ruhigen Zeiten endeten im Jahre 1296 mit den Ausbrüchen der schottischen Unabhängigkeitskriege. Dirleton bewachte die Strecke zwischen Edinburgh und der englischen Grenze und fiel in die Hände der Engländer. 1314 eroberten die Schotten ihr Eigentum zurück und beschädigten es absichtlich, um es für die Engländer uninteressant zu machen. 1350 heiratete John Haliburn die Tochter de Vaux und somit ging das Castle in den Besitz der Familie Haliburn über. Dieser fing an, etwa 1363 das beschädigte Schloss zu reparieren. Schlussendlich besuchte König James im Jahre 1505 das Castle und gab den Maurern das nötige Geld, um endlich den Bau abschließen zu können.

Der letzte aus der Familie Haliburn, ein Mann namens Patrick, starb im gleichen Jahr und so wurde das Erbe des Castles auf die drei Töchter Janet, Margaret und Mariotte aufgeteilt. Janet, die älteste Tochter, heiratete 1515 William Ruthven. Und somit wurde das Schloss in Ruthvens Hände übertragen. Die beiden hatten einen Sohn, Patrick, und dieser war in einer Gruppe, die für den Mord an David Rizzio verantwortlich gemacht wurde. Patrick floh nach England und hinterließ das Schloss seinem Sohn Wilhelm. Das Schloß und seine Bewohner sollen zu dem Zeitpunkt eng mit der »Gowrie«–Verschwörung in Bezug gestanden haben – der Mord an dem Sekretär von Maria, der Königin der Schotten. 1600 wurde das Schloss dann von Oliver Cromwells Armee erobert. 1663 wurde das Castle von einem Anwalt, John Nisbet gekauft. Er baute ein neues Haus am Ende des Dorfes, pflegte aber die Gärten und legten einen Bowlingplatz und später Kunstflächen an. So besteht dieses Schloss aus verschiedenen Epochen und Bauphasen, es war immer ein Spielball der damaligen Politik, Mord, Krieg, Verschwörung und Eroberung.

Rubrik
Castles
Artikel Info
Autor:  Maren Frentrup
Datum: 13.Juni 2017