Artenvielfalt in den Highlands

"Schau - da - er streckt gerade seinen Kopf aus dem Heidebusch!"…Während wir das Gefälle mit unseren Augen absuchen, erspähen wir die markanten roten Augenbrauen des männlichen Moorschneehuhns, das sich in alle Richtungen umsieht, bevor es sich ins Freie traut. Es hat kaum angefangen zu futtern, als es urplötzlich wieder den sicheren Schutz sucht - eine große Raubmöwe gleitet flach über die heidebewachsenen Hänge hinweg, steigt dann aber auf zu einem anderen Vogel und schraubt sich anschließend in der Luft über die Hügel hinweg.

Auf unserem Weg bis zum anderen Ende der Insel werden wir von arktischen Raubmöwen verfolgt, die über unseren Köpfen kreisen und sich immer wieder in die Tiefe stürzen. Wir sind auf der Insel Handa, abseits der wunderbar zerklüfteten Westküste Schottlands, und als wir die gegenüberliegende Seite des Eilands erreichen, werden wir  hoch oben auf den Klippen schon vom Geruch  und dem Lärm einer riesigen Kolonie von Seevögeln begrüßt. Tausende von Trottellummen und Tordalken drängeln sich auf den Kanten des vorgelagerten Felsbrockens, dessen Grasoberfläche mit Löchern gespickt  ist - jedes das Zuhause eines Papageientauchers. Dreizehenmöwen und Eissturmvögel drehen ihre Runden vor uns, und Gryllteisten nisten in den Felsblöcken am Fuße der Klippen.

Bei einem kleinen Tümpel hinter uns entdecken wir den Nistplatz eines Sterntaucherpärchens, und später begegnen wir auf unserer Wanderung zahlreichen Steinschmätzern,  Schwarzkehlchen und unzähligen Wiesenpiepern. Nach einer Weile erreichen wir die höchste Stelle einer Erhebung, und die Aussicht von dort auf die Westküste ist atemberaubend! Die grandiosen Berge in ihrer vollen Pracht  haben so klangvolle Namen wie Suilven, Canisp, Quinag und Stac Pollaidh und machen diesen Ort zu einem der eindrucksvollsten der britischen Inseln.

Wir verlassen Handa und machen uns auf den Rückweg nach Steading, wo wir während unseres einwöchigen Aufenthaltes mit dem Tier- und Naturbeobachtungsveranstalter Speyside Wildlife übernachten. Hier werden wir mit leckerem Essen verwöhnt und sitzen zusammen mit der gesamten Gruppe (max. 12 Teilnehmer) und zwei Reiseleitern an einem riesigen Tisch, an dem alle gemeinsam Platz finden. Es herrscht eine reger Austausch zwischen den Teilnehmern über die Erlebnisse des Tages und die spektakuläre Landschaft, die wir bei der Rückfahrt gesehen haben. In der Ferne entdeckten wir einen Steinadler, der über einem hohen Felsen seine Kreise zog, und auf dem Heimweg wurde unser Minibus von zwei Kolkraben eskortiert, während wir am Horizont eine Herde Rotwild erspähten, deren Silhouette sich unvergesslich gegen den klaren Himmel abzeichnete.

Es liegen noch drei Tage vor uns und falls das Wetter wieder mitspielt, möchten wir hoch oben in den Cairngorm Mountains weitere Vögel wie das Alpenschneehuhn und den Regenpfeifer beobachten. Bei schlechterem Wetter machen wir uns auf den Weg zur Ostküste, wo Delfine, Seeschwalben, Eider- und Meeresenten zuhause sind. Oder wir bleiben in der näheren Umgebung, erkunden die alten Kaledonischen Pinienwälder und machen uns auf die Suche nach Haubenmeisen, dem schottischen Kreuzschnabel und Auerhuhn. Die Highlands in Schottland beherbergen eine bemerkenswerte Artenvielfalt und belohnen Vogelbeobachter mit großartigen Highlights!

Rubrik
Natur
Artikel Info
Autor:  Wilfried Klöpping
Datum: 20.Januar 2015