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Staffa – die Kathedrale des Meeres

Schon im Jahr 1833 bemängelte William Wordsworth, berühmter britischer Schriftsteller, dass er Staffa nicht richtig genießen konnte, weil zu viele Leute gleichzeitig auf der Insel weilten. Ein Phänomen, was sich bis heute nicht wirklich geändert hat. Wenn das Wetter und der Seegang es zulassen, reisen gleich von mehreren Häfen der Insel Mull Ausflugsschiffe voller Interessierter auf das geologische Unikum, das sich seit 1986 unter der Verwaltung des National Trust for Scotland befindet. Die letzten Bewohner verließen das Eiland bereits Mitte des 18. Jahrhunderts. Zuvor schon populär bei Seevögeln, zog es in der Folgezeit Besucher magisch an. Die Mystik Staffas offenbart sich indes nur denjenigen, die sich des besonderen Privilegs erfreuen und allein auf der Insel sein können.

Seine eigentümliche Beschaffenheit verdankt Staffa einer Laune der Natur. Der schwarze Basaltfelsen besteht fast ausschließlich aus fünf- und sechseckigen Gesteinssäulen, die durch – vereinfacht erklärt - plötzlich erkaltenden Lavafluss vor 60 Mio. Jahren entstanden, welcher die skurrilen geometrischen Formen generierte und den Felsen ein kristallines Erscheinungsbild verlieh. Vergleichbar, jedoch nicht ganz so groß wie am Giants Causeway in Irland, nicht so hoch wie vor der Ostküste von Lewis, wesentlich größer aber als auf Porto Santo vor Madeira. Und Staffa besitzt als Einzige eine Höhle, in welcher das mal heftig, mal verhalten einströmende Meerwasser eigentümliche Töne erzeugt, die ihren früheren Namen, »the melodious cave« (An Uamh Bhinn), begründete.

Die Gästeliste von Staffa liest sich wie das »Who is Who« berühmter Persönlichkeiten, angefangen bei Sir Walter Scott über William Turner bis hin zu Königin Victoria. Sie alle ließen es sich nicht nehmen, teils schon vor über 200 Jahren die beschwerliche Seereise auf die kleine Hebrideninsel zu unternehmen. Turners Gemälde von Staffa wurde eines seiner populärsten überhaupt und Felix Mendelssohns Hebriden-Ouvertüre machten Staffa international bekannt. Den Komponisten inspirierten 1829 gerade diese Klänge, die er in der nun nach einer Sagengestalt aus dem gälischen Kulturkreis benannten Höhle Fingal’s Cave vernahm, zu seinem Werk, das mit just jenen Melodien beginnt.

Rubrik
Attraktionen
Artikel Info
Autor:  Wilfried Klöpping
Datum: 07.August 2017