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Durchs Land der Schottinnen

Es ist das alte Lied: wenn es irgendwo auf der Welt um Macht geht, um Einfluss, um Regeln, dann sind es fast ausnahmslos Männer, die das Sagen haben. Schottland ist in dieser Beziehung nicht anders. Sofort kommen Namen in den Sinn wie Robert the Bruce oder William Wallace, den Mel Gibson im Hollywood-Blockbuster "Braveheart" so eindrucksvoll und maskulin verkörperte. Dass hinter starken Männern meist eine starke Frau steht, darüber hüllen sich die Geschichtsbücher gar zu oft in verschämtes Schweigen. Die Österreicherin Lilo Paral hat sich des Themas angenommen und einen etwas anderen, einen biografischen Reiseführer veröffentlicht. Der Titel: „Durch das Land der Schottinnen".

Das mit einer praktischen Ringbindung versehene, 200 Seiten starke Büchlein überzeugt schon durch sein günstiges quadratisches Format, das in jeder, üblicherweise gut aufgeräumten Handtasche seinen Platz finden sollte. Lilo Paral hat in dem Buch ihre beiden ganz persönlichen Präferenzen - das Recht und das Leben der Frauen und ihr Lieblingsland Schottland - eingebracht. Sie beschreibt sehr persönlich und aus subjektiver Sicht eine Rundreise durchs Land und spürt dabei an den jeweiligen Reisestationen, die sie mit entsprechenden Reiseführer-Informationen über Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten und Transport sowie Kartenausschnitten anreichert, besondere Frauen auf, aus Wissenschaft und Kunst, Politik und Gesellschaft oder Industrie.

Über Parals Damenwahl darf man/frau allerdings geteilter Meinung sein. Zum einen hat sie nicht das ganze Land bereist, sodass bestimmte Regionen und feminine Persönlichkeiten schlicht außen vor bleiben, zum anderen widmet sie beispielsweise Königin Victoria einen eigenen Abschnitt, nur weil sie maßgeblichen Anteil am beginnenden Tourismus nach Schottland hatte. Die jeweiligen Frauenpersönlichkeiten werden durch wortgenaue, meist übersetzte Zitate aus unterschiedlichsten Publikationen dargestellt. Hier wäre ein wenig mehr persönliche Recherche durchaus angebracht gewesen, die doch eigentlich das 'Salz in der Suppe' eines biografischen Reiseführer sein sollte. Einige Satzfehler und inhaltliche Ungereimtheiten sowie ein unsortiert wirkender Index schmälern etwas den Gesamteindruck.

Das Buch ist dennoch eine gute, in dieser Form innovative Sammlung von Wissenswertem rund um die Frau in Schottland. Es hilft bestimmte Zusammenhänge für das geschichtliche Schicksal des Landes zu verstehen, was auch nicht ohne Einfluss auf globale Entwicklungen blieb. Letztlich unterstreicht das Buch, was Merida, die Disney-Pixar Heldin mit den wallenden roten Haaren, schon vor zwei Jahren offenbarte: die Frauen des Landes können stolz sein, mächtig, keineswegs unterwürfig und eventuell auch ein wenig stur. Vielleicht hat der Plattform Verlag sich bei der Wahl des Titelmotivs gerade davon inspirieren lassen und eine junge rothaarige Frau beim Lesen im Park abgebildet.

Rubrik
Schottisches
Artikel Info
Autor:  Udo Haafke
Datum: 08.April 2014